THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN


TELEGRAM FROM THE MEANTIME


 

Telegram from the Meantime

 

01 Niteride (Der Raben Mix)

02 Respect & Devotion Part One

03 Viveca

04 Emily My Dear

05 Melkweg Baby

06 Body Language

07 Candle

08 The Towersong 

09 In the Meantime

10 Fruits

11 The Fleece (Yomano Remix) 

12 The Archer

13 Standing By Your Hero

14 Respect & Devotion Part Two

15 Sireena

16 Hungry

17 Respect & Devotion Part Three

18 The Widow On Strings

 

To be released on Sireena Records on June 13th, 2008

 

Liner Notes by Christoph Dallach

Eine interessante Band erkennt man schon am Namen. Denn fantasiearme Künstler produzieren meist entsprechend trostlose Musik. Allein der Name The Perc Meets The Hidden Gentleman verspricht viel. Wer ist The Perc, und wer The Hidden Gentleman und wie klingt es, wenn diese beiden sich treffen?

Was für Musik lauert hinter so einem Namen?
Death Metal? Disco? Bluegrass? Krautrock?
Oder doch zwei Gangsta Rapper?

Das spannende an den Liedern von Tom Redecker und Emilio Winschetti, die sich als Künstler-Duo The Perc Meets The Hidden Gentleman nennen, ist, das sie nicht einzuordnen sind und damit das liefern, was der britische DJ- Großmeister John Peel mal als Voraussetzung für die allerbesten Platten nannte, nämlich das aufregende Gefühl etwas Neues zu hören, etwas, das man so noch nicht erlebt hat.

Und genau damit glänzt diese Zusammenstellung früher Werke von The Perc Meets The Hidden Gentleman. Denn, unvorstellbar aber wahr, die beiden sind nun auch schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mal mehr, mal weniger aktiv. Zu ihrem geheimnisvollen Namen passt, dass sie der Legende nach einst, 1987, in Graz, in einem Laden mit dem herrlichen Namen "Weisses Rössel" einen Pakt schlossen, gemeinsam zu musizieren. In der nordischen Hansestadt Bremen, in Hannover und Berlin suchten die beiden unverdrossen die Tonstudios auf, luden befreundete Gastmusiker von Rang und Namen ein und produzierten all die faszinierenden Lieder ihrer  Alben wie "Two Foozles at The Tea Party", "This Maid Of Delphy" später "Lavender" und "Ages". Klänge aus einer Ära, die von diesem Jahrtausend aus betrachtet eine Ewigkeit zurückzuliegen scheint. Einer Zeit, in der vom Internet, von Google, My Space und Ebay noch keine Rede war, Mobiltelefone fast so groß wie Kühlschränke waren und die Menschen noch Schallplatten in Läden kauften. Entsprechend entrückt klingen auch die Lieder, die The Perc Meets The Hidden Gentleman damals aufnahmen. Mal einlullend, mal aufgekratzt pluckern da die Drumcomputer, geheimnisvoll schnurren die Keyboards, dazu erklingen immer wieder schön die Gitarren und der Hidden Gentleman singt in samtener Schwermut. Angereichert wird diese CD mit Raritäten, die bislang nur auf Vinyl (die alte Zeit!) oder gar nicht zu haben waren. Es spricht für das Selbstbewusstsein von Emilio und Tom, dass sie die Songs ihres Erfolgsalbums "Lavender" völlig unberücksichtigt lassen und ihr Augenmerk mehr auf die frühen Jahre richten. So entsteht eine Sammlung, die hoffentlich auch die verantwortlichen Künstler mal wieder motiviert ihre Arbeit fortzusetzen. Denn das sind sie allein schon ihrem Namen schuldig!

Hamburg, April 2008

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On the cover of their album "The Fruits of Sin & Labor“ of 1990 they slept softly covered with spider webs, now they are awake again.

An interesting band one can recognize already by reading the bandname because artists without any fantasy most often are producing correspondingly desolate music. The name The Perc Meets The Hidden Gentleman alone is promising a lot. Who is The Perc,  and who is The Hidden Gentleman, and how does it sound if both meet each other? What kind of music is lurking behind such a name? Death Metal? Disco? Bluegrass? Krautrock? Or even two Gangsta Rapper?

The thrill of the songs from Tom Redecker and Emilion Winschetti, who call themself as an artist-duo The Perc Meets The Hidden Gentleman, is the fact that you cannot classify them. Therefore they are able to deliver something, which the British DJ-Grand Master John Peel once called the condition for the best of all album, viz. the exciting feeling to listen to something new, something you’ve never heard before.

That is exactly the point with the compilation of early works from The Perc Meets The Hidden Gentleman. Because –believe it or not- these two guys are now -more or less- active since more than two decades. To their mysterious name it fits perfectly that – according to a legend- they once made a pact with each other in 1987, at "Weisses Rössel“ in Graz , to do music together.

In the Northern town called Hansestadt Bremen, in Hannover, and also in Berlin they sedulous checked out all the recording studios, invited close music-friends as guest musicians of distinction and produced all these fascinating vinyls like „Two Foozles At The Tea Party“, „This Maid Of Delphy“, lateron „Lavender“, and „Ages“. Sounds of an aera which, from this milleniums point of view, seem to be long time ago. A time where nobody ever thought about Internet, Google, MySpace, or Ebay. Where cellphones were of sizes like refrigerators and where people bought their vinyls still in record-shops. Correspondingly engrossed are the sounds of the songs, which The Perc Meets The Hidden Gentleman recorded during that former times. Varying from lulling somebody, then again the drumcomputer is active, the keyboards are purring mysteriously, and besides that there is time and again the wonderful sound of the guitars as well as the velvety melancholic voice of The Hidden Gentleman.

The CD is enriched with curiosities which up to now have been available only (if at all) on vinyl – just like in the „good old days“.

It shows a lot of selfconfidence of Emilio and Tom that they did not consider any of their songs of their top selling album „Lavender“ but only paid attention to the early years’ vinyls. Thus a compilation developed which hopefully motivates the artists to go ahead with their work because they are owing this to their name !

A new creation of this „always on the move“-duo, a fascinating compilation of known and unknown songs. A timeless document. With guests of Philip Boa’s Voodoo club, Kastrierte Philosophen, Grobschnitt, Donna Regina, etc.

 

Review von Ulli Heiser in ROCKTIMES

Manchmal braucht es eine neue Platte bzw. die Presseinfo dazu, um sich bewusst zu werden, in welcher Zeit wir leben. Damals, als die Tracks dieses Albums in ihrer Urform enstanden sind, kamen Omas Mottenkuglen auf den Müll und wurden nicht bei ebay verkauft. Man ging (so man sich traute) in richtige Sexshops, man schaute (so man es brauchte) in physisch vorhandenen Puffs vorbei und all die kleinen Wichtigtuer blieben in ihrer Ecke und hatten kein MySpace-Forum mit 'Freunden', die sie nicht kennen. Sogar das Internet als Wort existierte im allgemeinen Wortschatz noch nicht und die, die das 'damalige' Internet nutzten, hatten keine Ahnung, was daraus einmal werden sollte. Das war die Zeit, als » die Menschen noch Schallplatten kauften«. Richtig, ich erinnere mich nur noch schwach an Omas Mottenkugeln, aber das mit den Schallplatten ist korrekt. Allerdings kaufte man 1987 auch schon mehr oder weniger fleißig CDs, denn der Silberling war etabliert, wenn es in der Tat auch noch LPs zu kaufen gab. Am Rande sei bemerkt, dass auch jetzt immer mehr Bands wieder auf Vinyl veröffentlichen.

1987 trafen sich nicht nur Erich Honecker und Helmut Kohl zum ersten Mal in Berlin - auch Tom Redecker aka The Perc und Emilio Winschetti aka The Hidden Gentleman begegneten sich und beschlossen, fortan zusammen zu musizieren. Sie veröffentlichten ein paar Alben, von denen "Lavender" für Furore sorgte. Danach war es ruhig und jeder ging seiner Wege. "Telegram From The Meantime" könnte ein Hinweis dafür sein, dass es eine Fortsetzung des Duos (hoffentlich) mit neuen Songs gibt. Auf vorliegendem Album gibt es eine Art »Werkschau« ihre alten Nummern ("Lavender" blieb jedoch außen vor). Manche davon sind nur auf Vinyl erschienen und einige finden gar zum ersten Mal den Weg in des Höreres Ohr.

Auf dem Cover des 1990er "The Fruits Of Sin & Labor"-Booklets sieht man die beiden mit geschlossenen Augen unter einem dicht gewebten Spinnennetz. Auf dem 2008er Pendant sind Tom und Emilio, sichtlich gereift, immer noch unter dem Netz. Aber selbiges ist nur noch schwach und die Augen der Protagonisten sind offen. Wir können also hoffen ... . Die Auswahl dieses Albums trafen neben Winschetti und Redecker auch der verstorbene Lothar Gärtner, Toms ehemaliger Freund und Sireena-Partner. Als Gäste finden sich im Line-up illustre Mitstreiter von z.B. Philip Boa's Voodoo Club, Kastrierte Philosophen und Grobschnitt.

Wie sehr ich Toms Stimme liebe, habe ich in früheren Reviews bereits wiederholt geschrieben. Emilio ist diesbezüglich auch gesegnet und die zwei ergänzen sich perfekt. Die Musik ist derart, dass die oft von vielen verpönten, synthetischen Drums hier nur punkten. Ja ich behaupte gar, sie geben die Würze, die so herrlich für die passende Stimmung sorgt. Gerade in Verbindung mit Speedy Sheppards Bass wirkt das phänomenal. Passende Stimmung... das bedeutet Fernweh, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schwermut - transportiert durch die beiden genialen und ausdrucksstark eingesetzten Stimmen. Unterstützt an den passenden Stellen z.B. durch Geige, traumhafte Backings und Keyboards wie aus einer anderen Dimension.

Welche Botschaften The Perc Meets The Hidden Gentleman ihren Stücken mitgeben, kann man auf ihrer Website Wort für Wort mitlesen. 18 Tracks und kein einziger Durchhänger. Kaum meint man, den Anspieltipp schlechthin ausgemacht zu haben, bringt der Folgesong einen neuen Hammer. Das mag sicher auch daran liegen, dass man eine Compilation vor sich hat. ABER: Vom bekanntesten Album "Lavender" ist kein einziges Stück dabei. Ich für meinen Teil werde mir "Lavender" besorgen, denn was muss es dort erst zu hören geben?

Die Gitarren weben zum einen süße, sphärische Netze, zum anderen wunderschöne, akustische Begleitung. Das Keyboard vibriert, wie einst die Musik zu uralten Sience Fiction-Filmen. Jede der Nummern begeistert und wenn ich das Gehörte einsortieren müsste, dann täte ich mich unendlich schwer. Wie soll man eine Gesangsmischung aus Lee Hazlewood und Frank Zappa, die stellenweise nach David Bowie klingt, auch nennen?
Sicherlich ist das (im weitesten Sinne) Rock. Und doch auch so viel mehr... .
Christoph Dallach (Der Spiegel), der den Promotext geschrieben hat, sieht das ähnlich und zitiert John Peel, der mal sagte »... Voraussetzung für die allerbesten Platte« sei »das aufregende Gefühl etwas Neues zu hören, etwas, das man so noch nicht erlebt hat«. Das kann man durchaus so sehen, denn obwohl fast jedes der Lieder recht unkonventionell daherkommt, schaffte man es, ihnen einen Ohrwurm als Haustier mitzugeben. Anders ausgedrückt: Alles wäre im Radio zu spielen und doch auch nicht. Ich weiß, das ist schwer vorzustellen, darum ist es das Beste, sich selbst davon zu überzeugen. Höchste Kaufempfehlung und dann wartet auch noch "Lavender" auf Entdeckung... .

 


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